
Dr. Julian Kauffeldt
LOYS Innovation GmbH

Max Seidl, CFA
LOYS AG
Gleichzeitig hat die Europäische Zentralbank am 11. Juni ihren Leitzins nach sieben Zinspausen erstmals seit September 2023 wieder angehoben, um 25 Basispunkte auf 2,40 Prozent. Zwei Notenbanken auf zwei Kontinenten senden mit ihren jüngsten Entscheidungen dieselbe Botschaft: Die Fortsetzung eines Zinssenkungszyklus ist noch keine ausgemachte Sache.
Der Iran-Krieg als geldpolitischer Störfaktor
Der gemeinsame Nenner auf beiden Seiten des Atlantiks ist der Iran-Krieg und die daraus resultierende Sperrung der Straße von Hormus. In den USA ist die Inflation im Mai auf 4,2 Prozent gestiegen, der höchste Stand seit drei Jahren. Energiepreise legten im Jahresvergleich um 23,5 Prozent zu, Benzin allein um mehr als 40 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel hält sich bei 2,9 Prozent, hartnäckig über dem Fed-Ziel. Im Euroraum liegt die Gesamtteuerung bei 3,2 Prozent, die Kerninflation bei 2,5 Prozent.
Der gemeinsame Befund: Inflation ist nicht mehr nur ein Energie-Phänomen. Sie friert sich fest. In den USA sieht die Fed für das laufende Jahr eine Teuerungsrate von 3,6 Prozent, in der Eurozone erwartet die EZB 3,0 Prozent. Zinssenkungen, mit denen viele Marktteilnehmer noch zu Jahresbeginn rechneten, rücken in die Ferne. Goldman Sachs erwartet in den USA Erleichterungen frühestens Mitte bis Ende 2027. Der CME Fed Watch Tool preist für Oktober 2026 bereits eine Wahrscheinlichkeit von rund 38 Prozent für eine Zinsanhebung ein. Ein Lichtblick: Am 15. Juni einigten sich die USA und der Iran auf ein Rahmenabkommen mit der Aussicht auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Der Ölpreis fiel daraufhin um rund fünf Prozent. Ob das einen sichtbaren Einfluss auf die Inflationsentspannung hat, bleibt offen.
Ein neuer Fed-Chef, ein neuer Kommunikationsstil – und was das bedeutet
Kevin Warsh ist kein Powell. Während sein Vorgänger die Märkte mit möglichst viel Forward Guidance navigierte, entzieht Warsh ihnen die Orientierungshilfe bewusst. Keine Zinsprognose, kein Statement zur künftigen Richtung, kürzere Protokollsprache. „Preisstabilität liefern“ statt „Preisstabilität anstreben“: eine Formulierung, die Notenbankbeobachter als Quantensprung in der Signalgebung werten. Auch die Fed von Warsh stellt das Mandat an erste Stelle und das überrascht mehr als es sollte: Galt doch seine Beliebtheit bei Trump lange eher als Beleg der anderen Seite.
US-Präsident Trump, der sich öffentlich Zinssenkungen erwartet hatte, zeigte sich entsprechend verärgert. Das ist keine Episode, sondern ein Strukturmerkmal der neuen Situation: Eine Fed, die klarer als bisher zwischen Preisstabilität und politischen Wünschen trennt, wird von Investoren längerfristig als glaubwürdiger bewertet auch wenn sie kurzfristig für Unsicherheit sorgt. Sechs Mitglieder des Offenmarktausschusses können sich eine weitere Straffung vorstellen. Nur ein einziges Mitglied erwartet eine Senkung. Für die Aktienmärkte bedeutet das kurzfristig Gegenwind längerfristig aber stärkt eine glaubwürdige Geldpolitik die Stabilität der Unternehmen und Märkte, die wir im Portfolio halten.
Die EZB steht vor einem anderen, aber verwandten Dilemma: Sie hat als erste große Notenbank die Zinsen wieder angehoben in einer Eurozone, die im ersten Quartal 2026 geschrumpft ist. Das Wachstum für das Gesamtjahr wurde auf 0,8 Prozent gesenkt. Preisstabilität und Konjunkturunterstützung sind in Europa zwei dauerhaft gegenläufige Ziele. Das ist keine Besonderheit des aktuellen Umfelds, sondern das Grunddilemma jeder Notenbank. EZB-Präsidentin Lagarde hat klargestellt, dass man sich nicht auf einen Zinspfad festlegt, doch der Markt preist mindestens eine weitere Erhöhung bis Jahresende ein.
Was höhere Zinsen für unsere Portfolios bedeuten
In einem Umfeld, in dem Kapital wieder einen Preis hat, verändert sich die Rangliste der Geschäftsmodelle. Unternehmen, die hohe künftige Cashflows versprechen, aber heute keine Gewinne ausweisen, verlieren relativ. Unternehmen, die Innovation bereits heute in reale Erträge übersetzen, gewinnen relativ. Das ist nicht unsere Meinung, das ist die Mechanik der Diskontierung. Wenn Zinsen steigen, gewinnen aktuelle Gewinne und Cashflows gegenüber weit in der Zukunft liegenden Versprechen wieder an Gewicht.
Genau diese Mechanik bestätigt unseren Ansatz im LOYS Innovation Leaders und im ALPORA Innovation Europa Fonds. Wir investieren in Unternehmen, die bereits heute profitabel sind, hohe Bruttomargen erzielen, schuldenarm oder mit positiven Cashbeständen bilanzieren und damit vom Zinsumfeld nicht belastet, sondern begünstigt werden. Die Titel des LOYS Innovation Leaders Fonds weisen im Durchschnitt eine Netto-Cash-Position aus, eine Bruttomarge von 56 Prozent und ein EV/EBIT von 14,4 und damit deutlich attraktiver als der MSCI World mit 22,5. Höhere Zinsen sind kein Risiko für dieses Portfolio. Sie sind ein Filter, der echte Qualität von gehändeltem Versprechen trennt.
Im ALPORA Innovation Europa Fonds zeigt sich dasselbe Muster. Europäische Qualitätsinnovatoren mit stabilen Cashflows und tiefer Kundenintegration sind im aktuellen Umfeld besser positioniert als kapitalintensive Wachstumswetten. Die Umkehr der Zinsentwicklung, die Europa mit der EZB-Erhöhung vollzieht, trifft genau die Unternehmen am härtesten, die auf billiges Kapital angewiesen sind und genau diese meiden wir.
Das Zinsumfeld 2026 ist kein Gegenwind für den Investmentstil, dem wir folgen. Es ist eine Bestätigung. Innovation, die sich in Erträgen niederschlägt, war immer unsere Überzeugung und in einem Umfeld mit echten Kapitalkosten wird diese Überzeugung sichtbarer als in Jahren, in denen billiges Geld alle Geschäftsmodelle gleichberechtigte.
Wichtige Hinweise: Diese Publikation dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein
verlässlicher Indikator für die künftige Entwicklung. Der Wert von Anlagen kann sowohl steigen als auch fallen. Backtesting-Ergebnisse sind hypothetischer Natur und spiegeln keine tatsächlichen Handelsergebnisse wider. Weitere Informationen zum Fonds entnehmen Sie bitte dem aktuellen Prospekt, der bei der LOYS AG, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt am Main, kostenlos angefordert werden kann.