Voll ausgelastet? Der Halbleiter-Rausch zwischen Substanz und Spätzyklik

 
Dr. Julian Kauffeldt
Geschäftsführer LOYS Innovation GmbH | Fondsmanager LOYS Innovation Leaders

Wenn ein Sektor in zwei Monaten mehr an Börsenwert gewinnt als der gesamte britische Leitindex auf die Waage bringt, ist das der Moment, in dem aktive Investoren nicht lauter mitjubeln, sondern genauer hinsehen sollten. Genau dort stehen wir bei den Halbleitern.

Die Dimension ist außergewöhnlich. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX), der die 30 größten US-gelisteten Chiphersteller abbildet, liegt 2026 rund 75 % im Plus und steuert auf die höchste Jahresrendite seit 1999 zu. Allein in den letzten zwei Monaten kamen über 5 Billionen Dollar Marktwert hinzu. Die Parallele zum Jahrtausendwechsel drängt sich auf. Sie ist berechtigt – und doch trügerisch, wenn man sie nicht zu Ende denkt.

Denn der Treibstoff dieser Rally ist real. Meta, Alphabet, Amazon und Microsoft haben für dieses Jahr zusammen rund 725 Milliarden Dollar für Rechenzentren und Infrastruktur reserviert. Die Budgets sind freigegeben, die Bestellungen laufen, die Lieferketten arbeiten auf Hochtouren. Die Nachfrage ist da, die Chip- und Speicherhersteller liefern – und sie verdienen prächtig. Auch die Einschätzung vieler Marktteilnehmer bleibt konstruktiv: Knappes Angebot, hohe Investitionsbereitschaft und eine Nachfrage, die zunehmend auch von Staaten und Industrieunternehmen getragen wird, sprechen für anhaltende Infrastrukturstärke – nicht mehr nur für einen Investitionszyklus der großen Plattformunternehmen.

Unsere eigentliche Beobachtung setzt aber eine Ebene tiefer an: Die Rally gehört nicht mehr Nvidia allein. Der Marktführer bleibt mit gut 5,1 Billionen Dollar das wertvollste Unternehmen der Welt – doch mehrere Wettbewerber haben ihn in diesem Jahr klar überholt. AMD legte über 120 % zu, getragen von Liefervereinbarungen mit Meta und OpenAI. Arm sprang über 160 %, befeuert vom Schwenk zu eigenen Chips. Intel durchbrach erstmals sein Allzeithoch aus der Dotcom-Zeit.

Für uns ist diese Verbreiterung von GPUs hin zu CPUs, Speicher und Ausrüstung das eigentlich vielsagende Signal – und zwar ein ambivalentes: Sie zeigt, wie tief der Zyklus trägt. Aber wenn das Kapital von den Anführern zu den Nachzüglern wandert, ist das historisch oft auch ein Merkmal reifer, nicht früher Zyklusphasen.

Besonders deutlich wird beides im Speichermarkt. Micron und SK Hynix stießen an aufeinanderfolgenden Tagen in den Kreis der Billionen-Dollar-Unternehmen vor; Microns Aktie ist binnen zwölf Monaten um rund 860 % gestiegen, und selbst von diesem Niveau aus halten einige Analysten weitere erhebliche Kurssteigerungen für möglich. Das sind Zahlen, die man nicht ignorieren kann – von denen man sich aber auch nicht blenden lassen sollte.

Die Skepsis kommt inzwischen auch von prominenter Seite. JPMorgan-Chef Jamie Dimon sieht im Markt inzwischen mehr Übermut als Vorsicht und erinnerte daran, dass vergleichbare Phasen den Einbrüchen von 1972, 1986, 2000 und 2007 vorausgingen. Das gebe ihm, so Dimon trocken, keinen Komfort. Hinzu kommt ein Detail, das aufhorchen lässt: KI-Labore wie OpenAI und Anthropic arbeiten weiterhin tief defizitär, sollen bei ihren erwarteten Börsengängen aber mit über einer Billion Dollar bewertet werden. Ein erheblicher Teil der heutigen Nachfrage stammt also von Akteuren, deren langfristige Ertragskraft noch nicht bewiesen ist. Nicht jede Bestellung ist deshalb nachhaltige Endnachfrage.

Die ehrliche Antwort lautet nicht „Blase oder keine Blase“. Diese Unterscheidung ist zu einfach. Es gibt echte Nachfrageschöpfung, reale Engpässe und Preissetzungsmacht. Gleichzeitig bleibt Halbleiterproduktion in Teilen rohstoffähnlich: Steigen Preise zu stark, wird irgendwann Nachfrage zerstört. Und in einer Rezession würden selbst finanzstarke Hyperscaler ihre Ausgabenpläne überprüfen.

Was uns in diesem Umfeld besonders beschäftigt, ist nicht der Halbleiterboom selbst – sondern das, was er im Schlepptau treibt. Der Goldman Sachs Unprofitable Tech Index notiert aktuell wieder auf Niveaus, die zuletzt unmittelbar vor dem drastischen Einbruch Ende 2021 und Anfang 2022 zu beobachten waren – einem Einbruch, der zahlreiche unprofitable Technologiewerte um 60, 70 oder mehr Prozent fallen ließ. Der Index hat seit seinem Tiefpunkt um über 113 % zugelegt. Wir sehen darin keine Normalisierung, sondern eine erneute Überhitzung: Hype-getriebene Innovation ohne echte Gewinne bleibt strukturell anfällig – sobald Liquidität, Zinsen oder Risikobereitschaft drehen.

Konsequenzen für die Portfoliosteuerung

Genau hier liegt der Kern unseres Ansatzes im LOYS Innovation Leaders: Wir investieren nicht in das Versprechen von Innovation, sondern in deren bereits bewiesene Wirkung. Unternehmen kommen nur dann in unser Portfolio, wenn sie Innovation bereits heute in reale Cashflows, hohe Margen und nachhaltige Wettbewerbsvorteile übersetzen – messbar und quantifizierbar durch unser proprietäres Innovationsmessmodell, das Innovationsintensität, Innovationsfähigkeit und Innovationskontinuität kombiniert.

Das schlägt sich direkt in den fundamentalen Charakteristika unseres Portfolios nieder: Im Vergleich zum MSCI World weisen unsere Portfoliounternehmen ein mehr als doppelt so hohes Umsatzwachstum aus (13 % gegenüber 5 % auf Fünfjahressicht), eine deutlich höhere Bruttomarge (56 % gegenüber 33 %) sowie eine nahezu schuldenfreie Bilanz mit einer Netto-Cash-Position – während der MSCI World im Durchschnitt erhebliche Nettoverschuldung trägt. Und das bei einer attraktiveren Bewertung: Das EV/EBIT unseres Portfolios liegt bei 14,4 gegenüber 22,5 beim MSCI World.

Für den LOYS Innovation Leaders heißt das: Wir halten KI-Infrastruktur für einen der prägenden Innovationszyklen unserer Zeit und investieren entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Logik über Speicher bis hin zu den Ausrüstern. Das bedeutet aber nicht, dass wir jede Geschichte kaufen, nur weil „KI“ darübersteht. Nicht jeder Gewinner dieser Rally wird auch ein Gewinner dieses Zyklus sein.

Aber wir reduzieren auch nicht auf Verdacht – und kaufen nicht auf blinden Optimismus. Wir haben definiert, welche Signale uns zum Handeln zwingen würden: nachlassende Capex-Guidance der Hyperscaler, kippende Spotpreise im Speichermarkt und der Moment, in dem Preissteigerungen nicht mehr von Mengenwachstum begleitet werden.

Bis dahin gilt: Konzentrationsrisiken aktiv steuern, Bewertungsdisziplin halten – und akzeptieren, dass in einer parabolischen Rally Geduld manchmal die bessere Form von Aktivität ist.

Die Lehre aus dem Jahr 2000 ist nicht, dass das Thema falsch war. Das Internet hat die Welt verändert. Die Lehre ist, dass Timing und Bewertung über Erfolg und Misserfolg entschieden haben – und dass am Ende diejenigen Unternehmen den Zyklus dominierten, die Innovation nicht nur versprachen, sondern in echte Wertschöpfung übersetzen konnten. Genau darin sehen wir unsere Aufgabe als aktive Fondsmanager – und genau das ist der Investmentansatz, auf dem der LOYS Innovation Leaders aufgebaut ist.


Wichtige Hinweise: Diese Publikation dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein
verlässlicher Indikator für die künftige Entwicklung. Der Wert von Anlagen kann sowohl steigen als auch fallen. Backtesting-Ergebnisse sind hypothetischer Natur und spiegeln keine tatsächlichen Handelsergebnisse wider. Weitere Informationen zum Fonds entnehmen Sie bitte dem aktuellen Prospekt, der bei der LOYS AG, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt am Main, kostenlos angefordert werden kann.

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